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Wie man als im Grunde mittelloser Verein trotzdem zu einem sündhaft teuren, lang ersehnten Kunstrasenplatz kommen kann? Turbine Halle macht es in einer aufsehenerregenden Aktion derzeit vor. Jetzt spielt sogar der große HFC vor, um dieses Projekt zu unterstützen.

Text: Sven Ziegler, Annett Krake; Foto: Sven Ziegler

Der DDR-Meister des Jahres 1952, Turbine Halle, empfängt den frischgebackenen Landespokalsieger der aktuellen Spielzeit, den Halleschen FC. Dass dies natürlich nur ein Testspiel ist, versteht sich von selbst, trennen doch beide Vereine sportliche Welten oder in Zahlen ausgedrückt: fünf Ligen. Am 15. Juni 2016 wird das Profiteam der Saalestadt auf dem Turbine-Felsen aufspielen, um das ambitionierte Kunstrasenprojekt des Landesklassevertreters zu unterstützen. 
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Für Turbine Halle ist es das Spiel des Jahrzehnts, heißen doch die Gegner im Alltagsgeschäft Schwarz-Weiß Zscherben, Wacker Helbra oder Borussia Görzig. Da der sportliche Wert als eher zweitrangig bewertet wird, ist es eine großartige Gelegenheit für den Breitensportverein Turbine Halle, den Fokus auf die Verbesserung der Infrastruktur, konkret auf die Umwandlung des 60 Jahre alten Schotterplatzes in einen modernen Kunstrasenplatz zu legen.

Der Kunstrasenprojektbeginn formierte sich im Frühjahr 2014, als fünf leidenschaftliche Sportler des „Vereins mit Sternbeflockung" bei einem Kasten Bier zusammensaßen, um eine Idee zu entwickeln, die in deutlich andere Richtungen gehen sollte als über Kuchenbasare Euros zu akquirieren. Turbine Halle, mit seinen Fußballmannschaften personell gegenüber anderen Vereinen auf Rosen gebettet, aber infrastrukturell mit Schlacke am Schuh, dürstete nach einer Frischzellenkur.

Den finanziellen Durchbruch erreichten die Kunstrasenpioniere durch das Erstellen einer Homepage, auf der der neue Kunstrasenfußballplatz virtuell zum Verkauf angeboten wurde. Die Idee war natürlich nicht ganz neu, basiert sie doch auf dem Prinzip der „Million Dollar Homepage" des Briten Alex Tew. Der Platz wurde in 6.458 Einzelsegmente aufgeteilt und bei Verkauf aller Puzzleteile sollte sich das Ergebnis auf 96.500 Euro summieren.

Ende 2014 ging die Seite in Betrieb und entpuppte sich als voller Erfolg, Aktuell hat der Verein bereits 71.809 Euro zusammengetragen, um den immens hohen Eigenanteil von 15 Prozent oder 96.000 Euro als Grundlage der Fördermittelzusage bereitstellen zu können.

Wie der Verein im umliegenden Giebichensteiner Viertel wahrgenommen wird, zeigt die Resonanz bei diversen Veranstaltungen, die seit zwei Jahren regelmäßig auf dem Turbine-Felsen organisiert werden. Weihnachtsmärkte, Osterfeuer und Benefizläufe erfreuen sich hoher Beliebtheit und werden wohl als Traditionsveranstaltungen in die Vereinschronik eingehen.

Interessant auch, dass der DFB auf das Projekt aufmerksam wurde, und es als „best practice"-Methode, was nichts anderes bedeutet, als „Schaut auf diesen Verein", deutschlandweit über www.fußball. de bewirbt. Dies führte dazu, das auf Empfehlung des obersten deutschen Fußballgremiums eine Einladung zu den „Osnabrücker Sportplatztagen" erfolgte, auf der der Kunstrasensportler, Daniel Wurbs in einem Vortrag über die Herangehensweise der Eigenkapitalakquirierung des halleschen Vereins referierte. Dem fachkundigen Publikum im niedersächsischen Tagungsort war die Bewunderung deutlich anzumerken, mit welcher Energie jenseits des Harzes Projekte dieser Art ehrenamtlich gestemmt werden.

Mit dem Besuch des Tabellendreizehnten der dritten Liga beginnt sich der Kreis zu schließen, um den alten Ascheplatz unter Kunstgras zu begraben. Dieses hochkarätige Ereignis wird hoffentlich die noch wenigen freien Pixel des virtuellen Platzes weiter vermindern, das Ende der Eigenkapitalsammlung in greifbare Nähe rücken lassen.

Seit Jahren wächst die Bevölkerung im Viertel um die Burg Giebichenstein und somit auch die Anzahl jugendlicher Fußballer im Verein, was in der Situation gipfelt, dass es in einigen Jahrgängen kaum noch Aufnahmekapazitäten gibt. 17 Mannschaften teilen sich Woche für Woche zu Trainings-und Wettkampfzwecken im Winterhalbjahr die „Rinde", die Beleuchtung erinnert an die Geburt der Elektrifizierung, gefrorene Eisschollen erzählen von der Mär des Klimawandels, und die Pfützenbildung nach Gewittergüssen gleicht der Flutung von Restbautagelöchern wie Klettwitz-Nord. Spielausfälle sind eher die Regel als die Ausnahme und die flehentliche Frage: „Wann können wir denn mit dem Baubeginn rechnen?" ist fast täglich auf dem Sportgelände zu hören.

Das Aufeinandertreffen von HFC und Turbine Halle wird die Beantwortung dieser Frage weiter vorantreiben. Ein Duell, sportlich nicht ganz auf Augenhöhe, aber voller Traditionen und dies mitten in einer Europameisterschaft – mehr Fußball ist fast nicht möglich.


Turbine Halle vs. HFC Chemie am 15. Juni um 18.00 Uhr, sommerliches Fußballfest auf dem Lehmannsfelsen zur Förderung des Kunstrasenprojektes, Karten: Erwachsene 6,00 Euro, ermäßigt (Kinder, Studenten, Schüler) 3,00 Euro, www.turbinehalle.de
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