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: Gesellschaft :: Schloss-Stoff, härter als Stahl :

Ein Leipziger Start-Up hat ein Fahrradschloss aus Textilien entwickelt, das leicht, schön und (fast) nicht zu knacken ist

Text: Michael Falgowski; Bilder: "text-lock"


Es klingt fantastisch: ein Fahrradschloss  aus Stoff, das von einem Dieb nur dann zu knacken ist,  wenn er sehr viel Zeit und schweres  Gerät mitbringt. Einem herkömmlichen  Stahlschloss überlegen,  da es leicht ist, handlich und  auch noch schön anzuschauen.  Dieses Schloss gibt es! Entwickelt  wurde es von dem Leipziger Startup  „tex-lock".  

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Eine der Gründerinnen ist Alexandra Baum, Designerin, Radfahrerin  und erfahrene Produktentwicklerin  unter anderem für  die Automobilindustrie. Zusammen  mit Suse Brand, die in Halle  Textildesign studiert hat, entwickelte  sie innerhalb von zwei Jahren  jenes revolutionäre Schloss.  Das bestehe aus einem Mehrlagenaufbau  aus Hochtechnologiefasern,  welche ihre Performance  auch schon in Automobiloder  Raumfahrtanwendungen  bewährt haben,  erklärt Alexandra Baum.  „Jede Lage hat eine eigene Funktion.  Eine ist schnittfest, eine weitere  feuerfest und so weiter. Die Lagen  sind so kombiniert, dass ein  Dieb lange bräuchte, um sie mit  den üblichen Methoden wie beispielsweise  dem Bolzenschneider  zu zerstören."  

Das Seil hat in zahlreichen Belastungstests  Angriffen mit Feuer,  Schnitt- und Schlagwerkzeugen  mehrere Minuten standgehalten.  Natürlich, gibt Alexandra Baum  zu, sei letztlich kein Schloss der  Welt hundertprozentig sicher: „Jedes  Schloss ist kleinzukriegen".  Gelegenheitsdiebstähle aber würden  mit dem „tex-lock" erschwert.  

An den Enden des Seils sind  Ösen aus gehärtetem  Stahl angebracht zum  Befestigen von Bügeloder  Vorhängeschlössern.  Diese müssen extra  angebracht werden  und sind vielleicht die  Schwachstelle des Konstrukts  – das gute Seil  nützt schließlich wenig,  wenn es mit einem billigen  Schloss gesichert  wird. Die Empfehlung  der Gründerinnen ist, ein Mini-Bügelschloss  zu verwenden, das optional  mit bestellt werden kann.  

350 Gramm wiegt ein Meter  Seil; es ist weich, klappert und  kratzt nicht, und es ist in vielerlei  Farbkombinationen herstellbar.  Besonders geeignet, sagt Alexandra  Baum, sei es für Alltagsradler  und für sportliche Radler aufgrund  des geringen Gewichtes sowie für  Familien. Immerhin lassen sich mit  der längsten Variante – drei gibt es  – von 1,80 Meter auch gut Fahrradanhänger  anschließen.  

In einer Kickstarter-Kampagne  hat das Start-up Anfang des Jahres  innerhalb von nur 47 Tagen  knapp 280.000 Euro eingesammelt.  Durch die Auszeichnung mit  dem „brandnew-Award" auf der Internationalen  Sportmesse ispo in  München wuchs das Interesse am  „tex-lock" enorm. Rund 4.000 Vorbestellungen  dafür sind bereits  eingegangen, ab Oktober soll dann  ausgeliefert werden. „Die Produktion  ist in Vorbereitung". Das Seil  und alle Komponenten, so Alexandra  Baum, werden in Deutschland  produziert, die Produkte in Leipzig  zusammengefügt und verpackt.  89 Euro kostet das kürzeste Seil  von 80 Zentimetern Länge, 99 für  die mittlere Größe und 120 Euro  für die XL-Variante. Hinzu kommen  die Kosten für das Vorhängeschloss.  Vielleicht wird der Preis  irgendwann sinken, aber das ist  momentan noch nicht abzusehen.  Die Materialien sind teuer, die  Stückzahl ist noch gering, Kostenoptimierung  dadurch nicht möglich.  Aber schließlich ist das „texlock"  eine Innovation im Fahrradschlossmarkt,  und Innovationen  kosten. „Billig" ist nicht das Ziel  des Start-ups. „Radfahren ist für  viele ein Lifestyle geworden", sagt  Alexandra Baum. Der Faktor Design  würde dabei immer wichtiger.  

Inzwischen denken die beiden  Gründerinnen schon darüber nach,  die Funktion der Seiltechnologie  zu erweitern. Leitfähige Fasern  sollen eingeflochten werden und  so smarte Funktionen wie Alarm  oder das schlüssellose Schließen  ermöglichen. Und es sind weitere  Einsatzzwecke denkbar, zum Abschließen  von Snowboards zum  Beispiel oder von Laptops, von  Booten oder Outdoor-Equipment.  

www.tex-lock.com

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